Mordskuss. Ostfrieslandkrimi
Das beschauliche friesische Dorf Pilsum wird von einem brutalen Mord erschüttert. Neben dem Leuchtturm wird eine attraktive junge Frau …
Ein Kuss, der tödlich endet: Mordskuss heißt der Ostfrieslandkrimi, mit dem Ulrike Busch in dieser Werkliste vertreten ist, und schon der Titel arbeitet mit einem doppelten Boden. Mords- ist im Norddeutschen ja zunächst eine harmlose Verstärkung, ein Mordskerl, ein Mordsspaß, und kippt hier zurück in seine wörtliche Bedeutung. Wer Ostfriesenkrimis nach sprechenden Titeln sortiert, hat mit diesem Wortspiel einen der knappsten und zugleich hintergründigsten vor sich.
Ein Kuss als Ausgangspunkt eines Kriminalfalls verweist auf das Terrain, auf dem sich die Geschichte offenkundig bewegt: Nähe, Vertrauen, Zuneigung, und das, was daraus werden kann, wenn eines davon missbraucht wird. Das ist klassischer Krimistoff, und er passt in besonderer Weise in eine Region wie Ostfriesland, wo man einander kennt, wo Beziehungen über Dörfer und Generationen gewachsen sind und wo ein Vertrauensbruch deshalb weitere Kreise zieht als in der Anonymität der Großstadt. Die Täter in Regionalkrimis kommen selten von außen, sie sitzen mit am Teetisch. Ein Titel wie Mordskuss deutet genau diese unbequeme Wahrheit an: Die größte Gefahr geht oft von denen aus, die einem am nächsten stehen.
Dass der Band ausdrücklich als Ostfrieslandkrimi firmiert, ist mehr als eine Genre-Etikette. Es ist ein Versprechen an die Leserschaft, die diese Bücher liebt: Der Fall spielt erkennbar hier, zwischen Deichen, Sielen und Backsteinorten, mit dem Personal und dem Tempo, das zu dieser Landschaft gehört. Wer die Gattung kennt, weiß, dass die Ermittlungsarbeit in solchen Romanen selten durch Hochtechnologie vorankommt, sondern durch Zuhören, durch Ortskenntnis, durch das geduldige Entwirren dessen, was in einer Gemeinschaft unausgesprochen bleibt.
Die Werkliste nennt für Ulrike Busch diesen einen Band, und ich halte mich an das, was belegt ist: keine erfundenen Reihen, keine ausgedachte Biografie. Für Leser hat ein Einzeltitel ohnehin seinen eigenen Reiz. Man verpflichtet sich nicht gleich zu einer zwanzigbändigen Serie, sondern bekommt einen abgeschlossenen Fall, den man an einem verregneten Küstenwochenende durchlesen kann, und davon gibt es hier bekanntlich genug. Gerade neben den großen, langlaufenden Reihen des Genres sind solche Bände willkommene Zwischenstationen, bei denen niemand erst Figurenkonstellationen aus fünfzehn Vorgängerbänden aufholen muss.
Bleibt der Titel selbst, und der trägt erstaunlich weit. Mordskuss klingt nach Leidenschaft und Verhängnis, nach einer Geschichte, in der das Verbrechen nicht aus kalter Berechnung allein entsteht, sondern aus Gefühlen, die außer Kontrolle geraten. Das ist die Sorte Motiv, die einen Krimi über das reine Rätsel hinaushebt, weil sie von Menschen erzählt und nicht nur von Indizien. Wer beim Stöbern durch die Ostfrieslandkrimis auf diesen Band stößt und beim Titel kurz stutzt, erst schmunzelt, dann nachdenkt, hat im Grunde schon erlebt, was gute Krimititel leisten sollen. Für alle, die ihre Lektüre gern mit einem solchen doppelbödigen Versprechen beginnen, ist Mordskuss von Ulrike Busch eine naheliegende Wahl aus dem Bücherregal der Küste.
Das beschauliche friesische Dorf Pilsum wird von einem brutalen Mord erschüttert. Neben dem Leuchtturm wird eine attraktive junge Frau …