Stefan Albertsen

Norden ist die heimliche Hauptstadt des Ostfrieslandkrimis, und Stefan Albertsen hat der Stadt eine eigene Reihe gewidmet. Unter dem Serientitel Kripo Norden ermittelt sind inzwischen zehn Bände erschienen, vom Auftakt Die Leiche am Westerdeich bis zu Ostfriesische Offenbarung. Wer Ostfriesenkrimis mag, die nicht auf den Inseln, sondern auf dem Festland spielen, zwischen Deich, Moor und Marktplatz, findet hier eine Serie mit klarer regionaler Handschrift.

Stefan Albertsen und seine Ostfriesenkrimis um die Kripo Norden

Schon die Titel verraten, wie tief die Reihe in der Region steckt. Tod beim Spökenkieken greift den plattdeutschen Begriff für das zweite Gesicht auf, eine Vorstellung, die in ostfriesischen Familien bis heute erzählt wird. Verschwunden im Moor nutzt die Landschaft, die hinter den Deichen beginnt und die jeder kennt, der hier aufgewachsen ist: weit, still und nicht ganz geheuer. Und Mord mit dem Friesenschwert holt gleich ein Stück regionaler Symbolik in die Handlung. Das ist kein austauschbares Küstendekor, sondern Stoff, der nur hier funktioniert. Auch Mörderische Ostfriesenmischung spielt erkennbar mit dem, was man in jedem Teeladen zwischen Emden und Esens findet.

Kripo Norden ermittelt: die Reihenfolge

  • Band 1: Die Leiche am Westerdeich
  • Band 2: Tod beim Spökenkieken
  • Band 3: Verschwunden im Moor
  • Band 4: Dreifachmord in der Nacht
  • Band 5: Mörderisches Endspiel
  • Band 6: Mord mit dem Friesenschwert
  • Band 7: Mörderische Ostfriesenmischung
  • Band 8: Die Frau im Wohnmobil
  • Band 9: Ostfriesische Schatten
  • Band 10: Ostfriesische Offenbarung

Die Reihe lässt sich gut in dieser Reihenfolge lesen, weil das Ermittlerteam der Kripo Norden als fester Kern durch alle Fälle führt. Zugleich sind die Fälle so angelegt, dass auch ein Quereinstieg möglich ist, etwa mit Die Frau im Wohnmobil, einem Stoff, der das Urlaubsland Ostfriesland von seiner dunklen Seite zeigt. Zwischen Campingplatz und Deichkrone liegt eben manchmal nur ein kurzer Weg.

Vom Geisterjäger zum Ostfrieslandkrimi

Interessant am Profil dieses Autors ist der zweite Werkstrang: Albertsen schreibt auch für die Heftromanserie John Sinclair, unter anderem die Folgen 2043, 2073, 2094, 2119, 2146 und 2376. Das erklärt vielleicht, warum seine Ostfrieslandkrimis handwerklich so routiniert wirken. Wer regelmäßig Serienspannung auf begrenztem Raum abliefern muss, lernt Tempo und Cliffhanger. Diese Erfahrung merkt man den Norden-Fällen an, auch wenn sie ohne Dämonen auskommen und stattdessen auf sehr irdische Motive setzen: Habgier, alte Rechnungen, Familiengeschichten, wie sie hinter jeder Backsteinfassade schlummern können.

Für mich als Leser aus der Region ist die Reihe vor allem deshalb reizvoll, weil Norden als Schauplatz ernst genommen wird. Der Westerdeich aus dem ersten Band ist keine Kulisse aus dem Reiseprospekt, sondern ein Ort, an dem man selbst schon spazieren war. Genau davon lebt ein guter Ostfrieslandkrimi: vom Wiedererkennen. Wer die Serie noch nicht kennt, beginnt am besten mit dem Westerdeich und arbeitet sich Band für Band vor. Zehn Fälle sind ein solides Fundament, und die Nummerierung macht die Lesereihenfolge angenehm eindeutig.

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