Jette Janssen

Stille ist in Ostfriesland kein Mangel, sondern ein Zustand, den man hier zu schätzen weiß, bis sie unheimlich wird. Jette Janssen hat genau diesen Kipppunkt zum Markenzeichen ihrer Reihe gemacht: Schwarze Stille heißt der Auftakt, Stille auf dem Fehn der zweite Band, und in beiden ermittelt Maxim Henndorf. Wer Ostfriesenkrimis mag, die ihre Spannung aus der Ruhe der Landschaft beziehen statt aus Dauerlärm, ist bei dieser noch jungen Serie richtig.

Jette Janssen und ihre Ostfriesenkrimis um Maxim Henndorf

Zwei Bände umfasst die Reihe Maxim Henndorf ermittelt bislang, und schon die Titelwahl verrät ein Konzept. Beide Bücher tragen die Stille im Namen, einmal schwarz eingefärbt, einmal verortet auf dem Fehn. Das ist bemerkenswert konsequent, denn die meisten Krimititel des Genres setzen auf Signalwörter wie Mord, Blut oder Tod. Janssen wählt stattdessen die Abwesenheit von Geräusch, und wer die Region kennt, versteht sofort, warum das funktioniert. Die Stille hier oben ist real: Wenn abends der Wind nachlässt, hört man auf dem Land nichts als vielleicht ein Schaf hinterm Deich. Diese Ruhe ist der Grund, warum Feriengäste kommen, und sie ist zugleich der perfekte Resonanzboden für ein Verbrechen. In einer lauten Stadt geht ein Schrei unter, in der ostfriesischen Stille hallt schon ein falscher Ton nach.

Maxim Henndorf ermittelt: die Reihenfolge

  • Band 1: Schwarze Stille
  • Band 2: Stille auf dem Fehn

Das Fehn als Schauplatz

Mit dem zweiten Band rückt eine Landschaft in den Mittelpunkt, die im Genre der Ostfrieslandkrimis seltener vorkommt als Inseln und Küstenorte: das Fehngebiet. Die Fehne sind aus der Moorkolonisierung entstanden, schnurgerade Kanäle, Klappbrücken, Reihen weißer Häuser am Wieke, eine von Menschenhand in Jahrhunderten dem Moor abgerungene Ordnung. Wer durch Orte wie die Fehndörfer zwischen Leer und Aurich fährt, spürt diese besondere Mischung aus Idylle und Strenge. Für einen Krimi ist das ein dankbarer Raum: Die Kanäle verbinden und trennen zugleich, jeder sieht jeden, und unter der aufgeräumten Oberfläche der Fehnkultur liegt das alte Moor, das bekanntlich nichts vergisst. Dass eine Krimireihe diesen Schauplatz ernsthaft bespielt, statt nur die übliche Strandkulisse zu nutzen, spricht für Ortsgespür.

Zwei Bände sind ein Anfang, kein Gesamtwerk, und genau darin liegt für Leser eine Gelegenheit. Man kann bei dieser Reihe noch ganz vorn einsteigen, ohne Rückstand, ohne zwanzig Bände Aufholjagd, und die Entwicklung eines Ermittlers von Beginn an begleiten. Das Genre zeigt regelmäßig, wie aus solchen Anfängen langlaufende Serien werden, und die Grundelemente stimmen hier: ein Ermittler mit einprägsamem Namen, ein durchdachtes Titelkonzept, Schauplätze mit eigenem Charakter. Über die Autorin selbst gibt die Werkliste nichts weiter her, also verzichte ich auf Mutmaßungen und halte mich an das Vorliegende.

Mein Rat für alle, die im Strom der Ostfrieslandkrimis nach etwas Neuem suchen: mit der Schwarzen Stille beginnen, dann aufs Fehn weiterziehen. Am besten liest sich das übrigens genau dort, wo die Bücher spielen, abends, wenn draußen nichts mehr zu hören ist. Danach klingt die heimische Ruhe für ein paar Tage anders.

Bücher von Jette Janssen

Buchcover: Schwarze Stille. Ostfrieslandkrimi

Schwarze Stille. Ostfrieslandkrimi

Jette Janssen

Das ostfriesische Leer wird zum Schauplatz einer brutalen Anschlagsserie. Der Psychologe Maxim Henndorf überlebt einen nächtlichen Überfall …