Jeska Hinderks

Eine Detektivin statt einer Dienststelle: Die Reihe Die Inseldetektivin von Jeska Hinderks besetzt eine Nische, die im Genre der Ostfriesenkrimis erstaunlich selten bedient wird. Während auf den Inseln sonst fast ausnahmslos Polizistinnen und Kommissare ermitteln, schickt Hinderks eine private Ermittlerin über das Wattenmeer, und zwar nicht auf eine Insel, sondern gleich auf mehrere: Norderney, Borkum und Juist sind in den drei bislang verzeichneten Bänden die Schauplätze.

Jeska Hinderks und ihre Ostfriesenkrimis um die Inseldetektivin

Die drei Fälle zeigen schon in den Titeln unterschiedliche Temperaturen. Tödliche Liebe auf Norderney greift das älteste aller Mordmotive auf, die Liebe, die kippt, angesiedelt auf der mondänsten der ostfriesischen Inseln, wo zwischen Bäderarchitektur und Strandpromenade seit jeher mehr Leidenschaften verhandelt werden, als die Kurverwaltung ahnt. Der tote Nacktmaler von Borkum ist dagegen ein Titel mit Augenzwinkern, ein Künstler, ein Skandalpotenzial, eine Insel, die als westlichste und größte der Gruppe ohnehin ihren ganz eigenen Kopf hat. Und Todesflug nach Juist nutzt eine Besonderheit, die Auswärtige oft überrascht: Juist erreicht man nicht nur tideabhängig per Fähre, sondern auch mit dem kleinen Inselflieger, und wer je in einer dieser Maschinen über das Watt geflogen ist, versteht sofort, welches Spannungspotenzial in diesem Titel steckt. Ein Flugzeug ist der geschlossenste aller Tatorte.

Die Inseldetektivin: die bisherigen Fälle

  • Tödliche Liebe auf Norderney
  • Der tote Nacktmaler von Borkum
  • Todesflug nach Juist

Drei Inseln, eine Ermittlerin

Das Konzept des Inselwechsels hat einen doppelten Vorteil. Zum einen erneuert sich die Kulisse mit jedem Band, Norderney, Borkum und Juist sind grundverschiedene Welten, das städtische Norderney, das weitläufige Borkum mit Hochseeklima, das schmale, autofreie Juist, das sich selbst Töwerland nennt. Zum anderen erlaubt die Figur der Privatdetektivin Geschichten, die einer Polizeiserie verschlossen bleiben. Eine Detektivin wird beauftragt, sie sucht, wo offiziell niemand mehr sucht, sie bewegt sich in Grauzonen zwischen Diskretion und Aufklärung. Auf Inseln, wo jeder jeden kennt und der gute Ruf ein Kapital ist, das man nicht an die Amtsstube verlieren möchte, ist das eine ausgesprochen plausible Berufswahl.

Als Leser aus der Region gefällt mir an dieser kleinen Reihe, dass sie die Inseln nicht als austauschbare Postkarten behandelt. Der Nacktmaler gehört nach Borkum, der Inselflieger nach Juist, die tödliche Liebe passt auf die Flaniermeilen Norderneys, die Zutaten sind jeweils am richtigen Ort. Genau daran erkennt man im Genre der Ostfrieslandkrimis die Sorgfalt: nicht an der Menge des Lokalkolorits, sondern daran, ob es stimmt.

Drei Bände sind ein überschaubares Werk, und über die Autorin hinaus gibt die Liste nichts her, also bleibt Spekulation außen vor. Für Leserinnen und Leser ist der Umfang eher eine Einladung als ein Mangel: Man kann die Inseldetektivin komplett kennenlernen, ohne sich durch zwanzig Bände arbeiten zu müssen, und hat danach drei Inseln kriminalistisch bereist. Wer mit dem Fährgefühl beginnen will, startet auf Norderney, wer gleich abheben möchte, nimmt den Todesflug nach Juist. Sollte die Detektivin künftig weitere Inseln ansteuern, an Auswahl herrscht zwischen Ems und Jade bekanntlich kein Mangel.

Bücher von Jeska Hinderks