Gerh. Andr. von Garrelts

Die Ostfriesen im deutschen Befreiungskriege: Schon der Titel dieses Werks von Gerh. Andr. von Garrelts führt in eine Epoche, die in der Region bis heute Spuren hinterlassen hat. Die Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft liegen über zweihundert Jahre zurück, und Ostfriesland war von der französischen Zeit unmittelbar betroffen, das Land gehörte zeitweise zum napoleonischen Machtbereich, mit allem, was dazugehörte: Kontinentalsperre, Verwaltungsreformen, Aushebungen. Ein Werk, das die Rolle der Ostfriesen in diesen Kriegen behandelt, gehört damit zur historischen Grundausstattung der Region.

Regionalgeschichte für Leser von Ostfriesenkrimis

Auf einer Seite, die sich hauptsächlich mit Ostfrieslandkrimis beschäftigt, mag ein Titel zur Militär- und Landesgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts überraschen. Der Zusammenhang liegt trotzdem auf der Hand. Die guten Regionalkrimis leben davon, dass ihre Schauplätze Geschichte haben, dass hinter dem Deich, dem Gulfhof und der Backsteinkirche Vergangenheit spürbar wird. Diese Vergangenheit kommt nicht aus dem Nichts. Sie ist von Chronisten und Regionalhistorikern erarbeitet worden, und Werke wie dieses gehören zu jener Schicht der Literatur über Ostfriesland, die den Boden bereitet, auf dem später auch die Unterhaltung gedeiht. Wer verstehen will, warum die Ostfriesen ihr Verhältnis zu Obrigkeit und Fremdherrschaft historisch so eigen verhandelt haben, Stichwort Eala Frya Fresena, findet in der Beschäftigung mit der Franzosenzeit und den Befreiungskriegen aufschlussreiches Material.

Was der Titel verspricht

Der Gegenstand ist klar umrissen: Es geht um die Beteiligung und das Schicksal der Ostfriesen in den Kriegen gegen Napoleon. Das ist ein dankbares Thema für die Landesgeschichtsschreibung, denn es verbindet die große europäische Erzählung mit den kleinen Verhältnissen vor Ort. Ostfriesland war nie das Zentrum der Weltgeschichte, aber die Weltgeschichte kam regelmäßig hier vorbei, als Besatzung, als Rekrutierung, als wirtschaftliche Drangsal durch die Kontinentalsperre, die gerade eine auf Seehandel und Schmuggel eingestellte Küstenregion hart traf. Wie sich die Menschen zwischen Ems und Jade in dieser Lage verhielten, wer diente, wer sich entzog, was die Gemeinden trugen, das sind die Fragen, die ein solches Werk aufwirft.

Einordnung des Werks

  • Thema: die Ostfriesen in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft
  • Gattung: regionale Geschichtsschreibung
  • Nutzen heute: Quelle und Hintergrund für Heimatforschung und Landesgeschichte

Über den Verfasser gibt die Werkliste nichts weiter her, und Spekulationen über Lebensdaten oder Wirken verbieten sich. Die altertümliche Namensform Gerh. Andr. von Garrelts, wie sie überliefert ist, deutet allerdings selbst schon auf die Entstehungszeit solcher Regionalstudien hin, eine Epoche, in der Pastoren, Lehrer und Beamte die Geschichte ihrer Heimat aufzeichneten und damit Material schufen, von dem die Forschung bis heute zehrt.

Für Leser von Ostfriesenkrimis ist ein solches Buch kein Ersatz für den nächsten Spannungsroman, aber eine sinnvolle Ergänzung. Manch ein Krimi der Gegenwart arbeitet mit alten Familiengeschichten, mit Erbhöfen, deren Besitz weit zurückreicht, mit Dorfgemeinschaften, deren Konflikte Generationen überdauern. Die historische Tiefe, die solche Motive glaubwürdig macht, stammt aus Werken wie diesem. Wer seine Heimat oder seine Urlaubsregion über die Gegenwart hinaus verstehen will, greift neben dem Ostfrieslandkrimi eben auch einmal zur Landesgeschichte. Die Befreiungskriege sind dafür ein guter Einstieg: eine Zeit, in der sich an der Nordseeküste entschied, wie viel Fremdbestimmung ein eigensinniger Menschenschlag erträgt, und wann es genug ist.

Bücher von Gerh. Andr. von Garrelts