Flora von Bremen, Oldenburg, Ostfriesland und der ostfriesischen Inseln
Nachdruck des legendären und seit langem vergriffenen Originals von 1936.
Die Flora von Bremen, Oldenburg, Ostfriesland und der ostfriesischen Inseln ist kein Krimi, und doch gehört Franz Buchenau in jede gründliche Bibliothek über diese Region. Sein Bestimmungswerk erfasst die Pflanzenwelt des Nordwestens, vom Bremer Umland über das Oldenburger Land bis hinaus auf die Inseln, also genau jenen Landstrich, den Leser von Ostfriesenkrimis Buch für Buch durchwandern, meist ohne die Vegetation am Wegesrand eines Blickes zu würdigen.
Der Titel steckt das Gebiet präzise ab, und wer hier lebt, weiß, wie viel botanische Vielfalt sich hinter der vermeintlich kargen Landschaft verbirgt. Die Salzwiesen vor den Deichen, in denen nur Spezialisten unter den Pflanzen überleben. Die Dünenzüge der Inseln mit ihrem harten Strandhafer, der den Sand festhält und damit im Wortsinn das Fundament jeder Inselgeschichte bildet. Die Moore des Binnenlandes mit Wollgras und Torfmoosen, die Wallhecken, die Marschwiesen. Eine Flora, die dieses Spektrum von der Küste bis zur Geest abdeckt, dokumentiert eine Landschaft, die es so nur hier gibt, und sie tut es systematisch, Art für Art.
Solche Regionalfloren sind klassische Werke der Naturkunde: Sie entstehen aus jahrelanger Geländearbeit, aus Herbarbelegen und Fundortlisten, und sie halten den Zustand einer Landschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt fest. Gerade darin liegt ihr bleibender Wert. Wer heute wissen will, was an der ostfriesischen Küste einmal wuchs, wo sich Bestände gehalten haben und wo sie verschwunden sind, braucht genau solche historischen Erfassungen als Vergleichsmaßstab. Naturschutz, Landschaftsgeschichte und Heimatforschung greifen bis heute auf derartige Grundlagenwerke zurück.
Man kann darüber schmunzeln, dass zwischen lauter Mordgeschichten ein botanisches Bestimmungswerk auftaucht. Aber die Verbindung ist enger, als sie scheint. Jeder Ostfrieslandkrimi lebt von seiner Landschaft: vom Moor, in dem etwas verschwindet, von der Salzwiese, über die der Wind geht, von den Dünen, hinter denen jemand wartet. Buchenaus Flora ist gewissermaßen das Inventar dieser Kulissen, die wissenschaftliche Beschreibung dessen, was in den Romanen Atmosphäre heißt. Wer als Leser einmal genauer wissen möchte, was da eigentlich am Deichfuß blüht oder welches Gras die Wanderdüne hält, findet in dieser Tradition der Regionalbotanik die Antworten.
Über den Verfasser selbst macht die Werkliste keine weiteren Angaben, und Spekulationen erspare ich mir. Das Werk spricht ohnehin für sich: Es verlangt die Geduld, ein Gebiet über Jahre zu durchstreifen, und die Genauigkeit, das Gefundene ordentlich zu verzeichnen. Beides sind Tugenden, die man in Ostfriesland zu schätzen weiß. Für Heimatkundler, Naturfreunde und alle, die ihre Region nicht nur aus Krimis, sondern auch aus erster Hand kennen wollen, ist die Flora von Bremen, Oldenburg, Ostfriesland und den ostfriesischen Inseln ein Stück Grundlagenliteratur, das den Blick auf die vertraute Landschaft dauerhaft verändert. Man geht danach anders über den Deich.
Nachdruck des legendären und seit langem vergriffenen Originals von 1936.