Der Inspektor – Der fesselnde Psychothriller voller unvorhersehbarer Wendungen
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Norderney ist in den Büchern von Christian Hardinghaus kein Wellness-Idyll. Drei seiner Titel spielen auf der Insel, und alle drei firmieren als Thriller: Die Hexe von Norderney, Das Grab auf Norderney und Die Toten von Norderney. Wer bei Ostfriesenkrimis zuerst an Teetassen und schrullige Dorfpolizisten denkt, liest hier die dunkle Gegenversion, härter im Ton, näher am Psychothriller als am gemütlichen Regionalkrimi.
Schon die Untertitel markieren den Anspruch, als Kriminalthriller an der Nordseeküste wollen diese Bücher Nerven strapazieren, nicht beruhigen. Am deutlichsten wird das Konzept bei Die Toten von Norderney: Dort kopiert ein Serienmörder die blutigsten Verbrechen der Geschichte. Das ist eine Prämisse, wie man sie aus dem internationalen Thriller kennt, verpflanzt auf eine ostfriesische Insel, und gerade diese Verpflanzung erzeugt den Reiz. Norderney ist überschaubar, per Fähre erreichbar, im Winter fast leer, ein geschlossener Raum, wie ihn Thrillerautoren lieben. Wenn dort etwas Ungeheuerliches geschieht, gibt es kein Entkommen und keine Anonymität, jeder Verdacht fällt auf Menschen, die man vom Sehen kennt.
Auch die anderen Inseltitel arbeiten mit starken Motiven. Die Hexe von Norderney ruft ein altes, unheimliches Bildfeld auf, das an der Küste historisch aufgeladen ist, Hexenglaube und Aberglaube gehören zur Geschichte der Region wie Sturmfluten und Seenot. Das Grab auf Norderney wiederum setzt auf das klassischste aller Spannungsbilder: etwas, das begraben wurde und nicht begraben bleibt. Ergänzt wird das Inseltrio durch Der Inspektor, einen Psychothriller, der laut Untertitel auf unvorhersehbare Wendungen setzt und zeigt, dass der Autor auch jenseits des Inselschauplatzes im Spannungsfach unterwegs ist.
Als jemand, der Norderney seit Kindertagen kennt, finde ich diese Verdüsterung der Insel reizvoll. Die meisten Ostfrieslandkrimis nutzen die Inseln als freundliche Kulisse mit Leiche, die Promenade bleibt hell, der Ton bleibt milde. Hardinghaus dreht die Beleuchtung herunter. Das entspricht durchaus einer Wahrheit über diese Orte: Wer einmal im November über die leere Insel gegangen ist, bei Westwind, wenn die Saison vorbei ist und die Rollläden herunter sind, weiß, dass Norderney auch unheimlich kann. Ein Thriller, der diese Jahreszeit der Seele ernst nimmt, hat dem Schauplatz etwas Eigenes abgewonnen.
Für die Leserschaft bedeutet das eine klare Entscheidung. Wer nach dem gemütlichen Inselkrimi mit Lokalkolorit und Humor sucht, wird bei anderen Autorinnen und Autoren dieser Seite glücklicher. Wer dagegen Nordsee-Atmosphäre mit deutlich höherem Puls möchte, Serienmörder, alte Gräber, psychologische Abgründe, findet in den Norderney-Thrillern genau diese Mischung. Sinnvoll ist der Einstieg über einen der Inselbände, etwa Die Toten von Norderney mit seiner markanten Ausgangsidee, danach lässt sich mit Der Inspektor prüfen, ob einem der Autor auch ohne Inselwind zusagt. Über die Person hinter den Büchern macht die Werkliste keine Angaben, und dabei soll es bleiben. Die Titel selbst sprechen eine deutliche Sprache: Hier will jemand, dass man nachts das Licht anlässt, auch und gerade im Urlaub am Meer.
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