Alfred Bekker

Alfred Bekker gehört zu den produktivsten Vielschreibern der deutschen Unterhaltungsliteratur, sein Werkverzeichnis reicht von Science Fiction über Fantasy und Western bis zu Hamburg- und Frankreich-Krimis. Für Leser von Ostfriesenkrimis zählen vor allem drei Stränge: die Inselermittler auf Norderney, die Reihe um Kommissar Steen und eine Handvoll Einzeltitel zwischen Watt und Binnenland. Wer sich in diesem riesigen Katalog orientieren will, braucht einen Kompass, und den liefern die Reihen selbst.

Alfred Bekker und seine Ostfriesenkrimis: zwei Reihen, zwei Welten

Die Inselermittler sind auf Norderney zu Hause, und die Titel lesen sich wie ein Inselrundgang: Norderneyer Mörderjagd als Band 1, dazu Norderneyer Postmord, Norderneyer Mordgeständnis, Norderneyer Weststrandmord, Norderneyer Brandungsmord und Norderneyer Pensionsmord, ergänzt um Norderneyer Strandkorbmord und Norderneyer Dünengrab. Weststrand, Dünen, Pensionen: Wer die Insel von Urlauben oder Tagestouren mit der Fähre kennt, erkennt die Topographie sofort wieder. Die zweite Reihe um Kommissar Steen spielt erkennbar auf dem Festland. Titel wie Der Tote am Delft und Der Tote von Twixlum verweisen in die Gegend um Emden, dazu kommen Die Tote am Borkumkai, Die Tote mit dem Buddelschiff, Der Tote im Torfschiff, Die Tote im Tief, Der Tote auf dem Katamaran, Der Tote im Ferienhaus, Der Tote in der Windmühle und Die Tote an der Schilfkante. Delft, Torfschiff, Tief, Schilfkante: Das ist das Vokabular der ostfriesischen Wasserlandschaft, und es zeigt, dass hier jemand mit den Örtlichkeiten arbeitet statt mit austauschbarer Küstenkulisse.

Orientierung nach Bandnummern (Auswahl)

  • Inselermittler 1: Norderneyer Mörderjagd
  • Inselermittler 5: Norderneyer Mordgeständnis
  • Inselermittler 7: Norderneyer Brandungsmord
  • Kommissar Steen 2: Der Tote am Delft
  • Kommissar Steen 9: Der Tote im Ferienhaus
  • Kommissar Steen 17: Der Tote in der Windmühle
  • Kommissar Steen 19: Die Tote an der Schilfkante

Ein Ostfrieslandkrimi aus einer riesigen Werkstatt

Man muss über das Gesamtwerk sprechen, um Bekkers Ostfrieslandkrimis einzuordnen. Derselbe Autor schreibt die Chronik der Sternenkrieger, Elben-Fantasy, Kommissar Jörgensen in Hamburg und Commissaire Marquanteur in Marseille, dazu unzählige Sammelbände. Das ist Fließbandarbeit im besten handwerklichen Sinn: Wer so viel produziert, erzählt schnörkellos, setzt auf klare Fälle und zügiges Tempo. Genau so lesen sich auch die Norderney- und Steen-Krimis. Wer atmosphärische Langsamkeit sucht, wie sie andere Autorinnen der Region pflegen, wird hier eher auf geradlinige Spannung treffen, kurze Kapitel, schneller Fortgang.

Für mich liegt der Reiz gerade in dieser Ehrlichkeit. Die Bücher wollen unterhalten, nicht mehr und nicht weniger, und sie tun das an Schauplätzen, die stimmen. Ein Buddelschiff auf dem Fensterbrett, ein Kutter am Kai, die Windmühle am Ortsrand: Aus solchen Alltagsbildern baut Bekker seine Fälle. Wer Norderney liebt, beginnt mit der Mörderjagd von Band 1, wer lieber durch Emden und das Umland streift, steigt bei Kommissar Steen ein. Und wer danach noch nicht genug hat, findet im übrigen Werk genug Lesestoff für mehrere Winter an der Küste.

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